Die
Renaissance der Wolle
Muss
Funktionsbekleidung aus synthetischen Materialien bestehen? Lange
Zeit wurde diese Frage mit "Ja" beantwortet. Natürliche
Fasern, so die Antwort der Textilingenieure, hätten nicht die
Eigenschaften, die für moderne Funktionsbekleidung erforderlich
seien. Diese Haltung ist längst überholt. Gerade im Pulloverbereich
wird wieder verstärkt auf den natürlichen Rohstoff Wolle
zurückgegriffen. Das renommierte Outdoor-Magazin spricht gar
von einer "Renaissance der Wolle" und konstatiert, dass
sich Wolle neben synthetischen Fasern wieder fest als Material für
hochwertige Outdoor-Bekleidung etabliert habe.
Tatsächlich
weist Wolle interessante Eigenschaften auf: Da ist zunächst
das sehr gute Isolationsvermögen. Ein Strickgewebe aus Wolle
ist hochgradig atmungsaktiv und verhindert dennoch sehr effektiv,
dass Körperwärme nach außen abgegeben wird. Denn
bedingt durch die natürliche Kräuselung der Wollfaser
und die raue Oberflächenstruktur kann Wollbekleidung mehr als
50 Prozent ihres Eigengewichts an Luft an und zwischen den Wollfasern
binden und damit die Abwärme des Körpers wirksam zurückhalten.
Trotz
des guten Isolationsvermögens sind Textilien aus Wolle auch
für schweißtreibende Aktivitäten geeignet. Denn
die mit dem Wollfett Lanolin natürlich imprägnierte Wollfaser
kann sich nicht weiter mit Flüssigkeit vollsaugen. Der Körperschweiß
perlt einfach ab und kann verdampfen. In Dampfform wiederum kann
Wollbekleidung bis zu 35 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit
an und zwischen den Wollfasern aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen.
Diese
natürlichen Eigenschaften haben Wolle zu einem interessanten
Material für wärmende Outdoor-Bekleidung gemacht, wo sie
vor allem für Pullover wie unsere beliebten Troyer
verwendet wird. Kommt es auf hohe Scheuerfestigkeit an, ist Wolle
allerdings nicht die erste Wahl. Aufgrund der schuppig-rauen Oberfläche
der Wollfaser und ihrer natürlichen Kräuselung kann Wolle
bei Reibung leicht verfilzen. Man kann die Scheuerfestigkeit des
Garns jedoch erhöhen, indem man Wolle mit glatten synthetischen
Fasern wie etwa dem robusten Polyamid zu einem Umwindegarn verarbeitet.
Stoffbesätze, wie sie sich bei unseren Dienstpullovern
an den besonders beanspruchten Stellen finden, schützen zusätzlich.
Entgegen
aller Vorurteile ist Wollbekleidung nicht besonders kompliziert
zu pflegen. Starke Hitze beschädigt allerdings die Molekularstruktur
der Wolle. Weil sich außerdem die Schuppen der Wollfaser abspreizen,
wenn sie mit heißer Flüssigkeit in Kontakt kommen und
weil sich die abgespreizten Schuppen der gekräuselten Fasern
bei Bewegung leicht ineinander verhaken können, dürfen
Strickwaren aus Wolle nur bei maximal 30° C per Handwäsche
oder im bewegungsarmen Wollwaschgang moderner Waschmaschinen gewaschen
und keinesfalls im Wäschetrockner getrocknet werden.
Das
Verfilzungsrisiko bei der Maschinenwäsche kann durch eine Kunstharzausrüstung
der Wollfasern reduziert werden. Oft ist bei leicht verunreinigter
Wollbekleidung jedoch gar keine Wäsche erforderlich und es
genügt bereits ein Ausschütteln. Denn Schmutzpartikel
können zwar locker an der rauen Oberfläche der Wolle haften,
aufgrund ihrer natürlichen Lanolin-Imprägnierung jedoch
nicht in die Fasern eindringen.